Die USA und China wollen sich künftig direkt verständigen, wenn es zu Zwischenfällen mit künstlicher Intelligenz kommt. Das geht aus einer Erklärung des Weißen Hauses vom Samstag, 26. September, hervor, die nach dem dreitägigen Staatsbesuch von Chinas Präsident Xi Jinping in Washington veröffentlicht wurde. Neben dem Kanal für KI-Vorfälle vereinbarten beide Seiten ein regelmäßiges Gesprächsformat, das die US-Regierung „Super Intelligence (SI) Dialogue“ nennt.
Ein Durchbruch ist das nicht, aber ein seltenes Signal: Die beiden Länder, die sich bei KI-Chips und Spitzenmodellen einen harten Wettlauf liefern, schaffen erstmals eine feste Leitung speziell für KI-Probleme.
Was genau wurde vereinbart?
Laut dem von UPI zitierten Wortlaut der US-Erklärung gibt es zwei Bausteine:
- SI-Dialog: Ein Austausch über Risiken und Nutzen von „Super Intelligence“ – so bezeichnet Präsident Donald Trump KI neuerdings. Die nächste Gesprächsrunde soll bis November 2026 stattfinden.
- Kommunikationskanal für Vorfälle: Eine bilaterale Verbindung, über die sich beide Regierungen bei „SI-Vorfällen“ informieren.
Das chinesische Außenministerium beschrieb den Mechanismus nach Angaben von AP ähnlich: Er solle dazu dienen, über Risiken und Vorteile der Technik zu sprechen. Offen bleibt der Kern: Was als Vorfall gilt, wer den Kanal bedient und ob es Fristen gibt, hat keine der beiden Regierungen erläutert. UPI weist ausdrücklich darauf hin, dass unklar sei, welche Art von Ereignis den Austausch auslösen würde.

Kooperation ja, gemeinsame Regeln nein
Trump machte am Samstag deutlich, dass Washington das Tempo nicht drosseln will. Eine gemeinsame Entwicklung oder abgestimmte Sicherheitsvorgaben schloss er aus; die USA lägen deutlich vor China, und „when you're leading, you don't open it up to each other“, sagte er laut UPI. Xi wiederum warb für einen „gesunden Wettbewerb“ und betonte, dass beide Staaten als führende KI-Nationen Verantwortung für einen nützlichen Einsatz der Technik trügen.
Die neue Leitung ist also eher ein Frühwarnsystem als ein Regelwerk. Das passt zur bisherigen Linie der US-Regierung: Erst am 23. September hatte Washington im UN-Sicherheitsrat neue globale KI-Gremien abgelehnt – mehr dazu in unserem Bericht über Altman und Amodei vor dem Sicherheitsrat.
Wie Trump über den Begriff selbst nachdachte, zeigt ein Beitrag des Weißen Hauses aus der Vorwoche:
Warum gerade jetzt?
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. In den vergangenen Tagen haben Vorfälle mit KI-Agenten die Debatte angeheizt. So hat OpenAI das Training seiner stärksten Modelle angehalten, nachdem ein Agent eine Netzsperre über DNS-Anfragen umgangen hatte – Details in unserem Artikel zum Trainingsstopp bei OpenAI. Ob solche Fälle künftig über den neuen Kanal zwischen Washington und Peking laufen würden, ist offen; bislang betreffen sie einzelne Unternehmen, nicht die Beziehungen zwischen Staaten.
Völlig neu ist der Gesprächsfaden nicht. Im Mai 2024 trafen sich Regierungsvertreter beider Länder in Genf zu ersten offiziellen KI-Gesprächen, ohne gemeinsame Erklärung. Im November 2024 einigten sich Joe Biden und Xi in Lima darauf, dass über den Einsatz von Atomwaffen Menschen und nicht KI-Systeme entscheiden sollen.
Was wurde sonst beschlossen?
Die KI-Vereinbarung war Teil eines größeren Pakets:
| Bereich | Ergebnis laut Weißem Haus und AP |
|---|---|
| Handel | Waffenruhe im Zollstreit um zwei Monate verlängert (bis Januar 2027) |
| Zölle | Senkungen auf Waren im Wert von rund 30 Mrd. US-Dollar je Richtung geplant, vor allem nicht sensible Güter |
| Energie | China will 2027 und 2028 mindestens 10 Mio. Tonnen US-Kohle importieren |
| Militär | Absichtserklärung zur Krisenkommunikation zwischen den Streitkräften in Arbeit |
| Seltene Erden | Lieferungen sollen wieder ein „angemessenes“ Niveau erreichen |
| Board of Trade | Gremium für bilaterale Handelsfragen hat in der Gipfelwoche die Arbeit aufgenommen |
Trump und Xi wollen sich in diesem Jahr noch zweimal sehen: beim APEC-Gipfel im chinesischen Shenzhen im November und beim G20-Gipfel in Miami.
Was bedeutet das für Deutschland und die EU?
Direkt betroffen sind Nutzer und Firmen in Deutschland nicht. Die EU sitzt bei diesem Kanal nicht mit am Tisch. Für KI-Anbieter in Europa gilt weiter der AI Act: Anbieter großer Allzweckmodelle mit systemischem Risiko müssen schwerwiegende Vorfälle dem europäischen KI-Büro melden. Die EU setzt damit auf verbindliche Pflichten für Unternehmen, Washington und Peking dagegen auf einen losen Austausch zwischen Regierungen.
Für die europäische Industrie wichtiger dürfte der Handelsteil sein: Entspannt sich der Streit um seltene Erden, profitieren auch Hersteller in Deutschland, die auf chinesische Rohstoffe angewiesen sind. Konkrete Zusagen für Europa enthält die Erklärung allerdings nicht.
Häufige Fragen
Ist der KI-Kanal ein „rotes Telefon“ wie im Kalten Krieg?
Der Vergleich liegt nahe, ist aber noch nicht belegt. Weder Washington noch Peking haben mitgeteilt, wie die Verbindung technisch und organisatorisch aufgebaut sein soll.
Was ist mit „Super Intelligence“ gemeint?
Trump verwendet den Begriff seit Kurzem als neuen Namen für KI allgemein. In der Fachwelt bezeichnet „Superintelligenz“ dagegen eine hypothetische KI, die dem Menschen weit überlegen wäre.
Gibt es gemeinsame Regeln für KI?
Nein. Vereinbart wurden nur Gespräche und ein Meldeweg. Gemeinsame Entwicklung oder Sicherheitsstandards lehnt die US-Regierung ab.
Wann gibt es mehr Details?
Die nächste Runde des SI-Dialogs soll bis November 2026 stattfinden. Wir aktualisieren diesen Artikel, sobald Einzelheiten bekannt werden.
Titelbild: Trump und Xi beim Treffen in Busan im Oktober 2025, Foto: The White House / Daniel Torok (gemeinfrei, Wikimedia Commons).











