Künstliche Intelligenz ist in Deutschland im Alltag angekommen – zumindest bei den Jüngeren. Laut der ARD/ZDF-Medienstudie 2026, die die Forschungskommission von ARD und ZDF am 22. September vorgestellt hat, setzen inzwischen 59 Prozent aller Menschen ab 14 zumindest gelegentlich KI-Tools wie ChatGPT, Gemini oder Bildgeneratoren ein. Ein Jahr zuvor lag der Wert noch bei 42 Prozent. Gleichzeitig zeigt die Befragung eine deutliche Skepsis: Mehr als die Hälfte der Nutzer traut den Ergebnissen nur bedingt.
Die Studie gilt als eine der wichtigsten Langzeiterhebungen zur Mediennutzung in Deutschland. Anders als viele Umfragen von Tech-Firmen basiert sie überwiegend auf Telefoninterviews mit einer repräsentativen Stichprobe.
Wie stark ist die KI-Nutzung gewachsen?

Auffällig ist vor allem, dass KI nicht nur ausprobiert, sondern regelmäßig verwendet wird. Der Anteil der wöchentlichen Nutzer stieg innerhalb eines Jahres um 15 Prozentpunkte, der Anteil der täglichen Nutzer hat sich fast verdoppelt.
| Nutzungshäufigkeit (ab 14 Jahren) | 2025 | 2026 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Zumindest selten | 42 % | 59 % | +17 Punkte |
| Mindestens monatlich | 32 % | 50 % | +18 Punkte |
| Mindestens wöchentlich | 22 % | 37 % | +15 Punkte |
| Täglich | 7 % | 13 % | +6 Punkte |
Quelle: ARD/ZDF-Medienstudie 2025/2026, Detailwerte laut MEEDIA-Auswertung.
Damit nutzt jede zweite Person ab 14 Jahren mindestens einmal im Monat ein KI-Werkzeug. Welche Anwendungen genau gemeint sind, fasst die Studie unter dem Oberbegriff „KI-Tools“ zusammen – also Text- und Bildgeneratoren wie Chatbots. Eine Aufschlüsselung nach einzelnen Diensten enthalten die veröffentlichten Kernergebnisse nicht.
Jung gegen Alt: Der KI-Graben ist tief
Das Alter entscheidet stark darüber, ob jemand KI verwendet. In der Gruppe der 14- bis 29-Jährigen nutzen 92 Prozent entsprechende Anwendungen. Bei den Menschen ab 70 Jahren sind es dagegen nur 15 Prozent. Für Schulen, Hochschulen und Arbeitgeber bedeutet das: Die nachwachsende Generation geht mit KI-Assistenten praktisch selbstverständlich um, während ein großer Teil der Älteren kaum Berührungspunkte hat.
Viel Nutzung, wenig Vertrauen
Die Zahlen zeigen einen bemerkenswerten Widerspruch. Laut Studie begegnen 54 Prozent den Antworten von KI-Tools mit Skepsis. Unter den monatlichen Nutzern halten nur 3 Prozent die Ergebnisse für sehr vertrauenswürdig und 33 Prozent für vertrauenswürdig; 38 Prozent stufen sie als weniger und 16 Prozent als nicht vertrauenswürdig ein.
Ein wichtiger Grund dürfte die Frage der Quellen sein: 81 Prozent halten Quellenangaben für wichtig oder sehr wichtig, aber nur 43 Prozent empfinden sie bei KI-Antworten als transparent. Die Forscher weisen zudem darauf hin, dass viele Nutzer die verlinkten Originalquellen trotzdem nicht aufrufen. Für Medienhäuser ist das ein zentrales Thema, weil KI-Zusammenfassungen den Klick auf den eigentlichen Artikel ersetzen können.
Wie sich ChatGPT, Gemini und Claude bei Quellenangaben, Preisen und Datenschutz unterscheiden, lesen Sie in unserem Vergleich der drei großen KI-Assistenten. Dass viele Menschen Chatbots sogar sehr persönliche Dinge anvertrauen, zeigte kürzlich eine Proton-Umfrage zu heiklen Chat-Themen.
Streaming wächst nicht mehr
Neben KI untersucht die Medienstudie auch klassische Mediennutzung. Hier zeigt sich eher Stillstand: Video- und Audiostreaming legen kaum noch zu. Pro Woche erreicht YouTube 47 Prozent der Bevölkerung, Netflix 35 Prozent, Prime Video 25 Prozent, die ARD Mediathek 23 Prozent und das ZDF-Streamingangebot 20 Prozent. Lineares Fernsehen schauen täglich 56 Prozent (Vorjahr 59 Prozent), im Schnitt 116 Minuten am Tag. Beim Radio sind es täglich 60 Prozent.
Bei den sozialen Netzwerken liegt Instagram mit 40 Prozent wöchentlicher Reichweite vorn, Facebook (28 Prozent) und TikTok (18 Prozent) verlieren leicht.
Wie wurde die Studie erhoben?
Das Institut GIM führte zwischen dem 27. Januar und dem 19. April 2026 Interviews mit 2.462 Menschen, die Deutsch sprechen und mindestens 14 Jahre alt sind. Rund 70 Prozent der Interviews liefen telefonisch auf Basis einer Dual-Frame-Stichprobe (Festnetz und Mobilfunk), die übrigen 30 Prozent über ein Onlinepanel. Die Ergebnisse spiegeln also den Stand vom Frühjahr 2026 wider. Auftraggeber sind ARD und ZDF, die selbst Streamingangebote betreiben – die Werte zu Mediatheken sollten Sie mit diesem Hintergrund lesen.
Häufige Fragen
Wie viele Deutsche nutzen KI?
Laut ARD/ZDF-Medienstudie 2026 nutzen 59 Prozent der Menschen ab 14 Jahren zumindest selten KI-Tools, 37 Prozent mindestens einmal pro Woche und 13 Prozent täglich.
Welche Altersgruppe nutzt KI am meisten?
Die 14- bis 29-Jährigen: 92 Prozent von ihnen setzen KI-Anwendungen ein. Bei Menschen ab 70 Jahren sind es 15 Prozent.
Vertrauen die Deutschen den Antworten von ChatGPT & Co.?
Eher nicht uneingeschränkt. 54 Prozent begegnen den Ergebnissen mit Skepsis, und nur 43 Prozent halten die Quellenangaben für transparent.
Wie repräsentativ ist die Studie?
Befragt wurden 2.462 Personen, überwiegend telefonisch über eine repräsentative Stichprobe. Die Studie erscheint jährlich und erlaubt daher Vergleiche mit dem Vorjahr.
Titelbild: Jernej Furman / Wikimedia Commons, CC BY 2.0 (Symbolbild).










