Google macht aus seinem 3D-Videokonferenz-Experiment ein reguläres Produkt für den Arbeitsalltag. Wie das Unternehmen am 23. September 2026 im offiziellen Blog mitteilte, wird Google Beam inzwischen an Kunden in sechs Ländern ausgeliefert – neben den USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich und Japan auch in Deutschland. Zusätzlich startet mit dem Co-Working-Anbieter Industrious ein erstes Netz buchbarer Beam-Räume, das Google „Beam extended network“ nennt.
Was steckt hinter der Technik, was kostet sie, und können Sie Beam in Deutschland schon nutzen?
Was Google Beam ist
Beam soll Videogespräche so wirken lassen, als säße das Gegenüber am selben Tisch. Mehrere Kameras nehmen eine Person aus verschiedenen Winkeln auf, eine KI setzt daraus in Echtzeit ein räumliches Modell zusammen, und ein Lichtfeld-Display zeigt es auf der anderen Seite dreidimensional an. Eine Brille oder ein Headset ist dafür nicht nötig.
Google hatte die Technik 2021 als Forschungsprojekt „Project Starline“ vorgestellt und sie im Mai 2025 in Beam umbenannt. Die erste und bislang einzige Hardware kommt von HP:
| Merkmal | HP Dimension with Google Beam |
|---|---|
| Display | 65 Zoll, 8K-Lichtfeld |
| Kameras | 6, im Rahmen verbaut |
| Weitere Technik | adaptive Beleuchtung, räumlicher Klang |
| Plattformen | Google Meet und Zoom |
| Preis (Marktstart USA) | 24.999 US-Dollar, Beam-Lizenz separat |
| Preis Deutschland | nicht öffentlich, Vertrieb über Partner |
Der Preis stammt aus der Ankündigung von Juni 2025. In der aktuellen Mitteilung nennen weder Google noch HP Kosten; für Unternehmen dürfte der Endpreis vom Partner und vom Installationsaufwand abhängen.
Deutschland: Kauf ja, Kabine zum Buchen noch nicht
Für Firmen in Deutschland bedeutet die Ankündigung vor allem eines: Beam lässt sich jetzt regulär bestellen. Vertrieb, Einrichtung und Support übernehmen laut Google 18 Channel-Partner, also AV-Integratoren und Distributoren. Auf der Partnerübersicht im Google-Blog stehen neben international tätigen Firmen wie AVI-SPL, Kinly, Computacenter und TD Synnex auch Namen wie Dekom.

Anders sieht es bei den buchbaren Räumen aus. Die Beam-Kabinen bei Industrious gibt es ab Oktober 2026 zunächst nur an vier US-Standorten, nämlich in Palo Alto, New York City, Chicago und Atlanta. Pläne für Co-Working-Flächen in Deutschland oder Europa hat Google nicht genannt. Wer also nur gelegentlich ein 3D-Gespräch führen möchte, muss hierzulande vorerst auf eine Firma mit eigenem Gerät hoffen.
Was Google über den Nutzen sagt
Google stützt sich auf eigene Auswertungen. In einer internen Studie über acht Wochen berichteten Teams von 50 Prozent stärkerem Zusammenhalt, 33 Prozent klarerem Feedback und 21 Prozent weniger Folgeterminen. HP verweist auf Forschungsergebnisse, wonach sich Teilnehmende nach 3D-Gesprächen an 28 Prozent mehr Inhalte erinnerten als nach klassischen Videocalls. 87 Prozent der Teilnehmenden an Googles Pilotphase hätten das Erlebnis besser gefunden als herkömmliche Videokonferenzen.
Einzuordnen sind diese Zahlen vorsichtig: Es handelt sich um Angaben der Hersteller, nicht um unabhängige Studien. Wir haben Beam nicht selbst genutzt. Als frühe Kunden nennt Google unter anderem Bain & Company, Netflix und Capital Group; genutzt werde Beam etwa für Mitarbeitergespräche, Vorstellungsgespräche und Kundentermine.
Einordnung: Für wen lohnt sich das?
Mit einem Einstiegspreis im mittleren fünfstelligen Bereich plus Lizenz ist Beam klar ein Werkzeug für Unternehmen, nicht für Privatleute. Interessant ist es vor allem dort, wo persönliche Treffen teuer oder zeitaufwendig sind: bei Beratungsfirmen, verteilten Entwicklungsteams oder Konzernen mit Standorten in mehreren Ländern. Weil Beam mit Google Meet und Zoom zusammenarbeitet, ist kein Wechsel der gewohnten Plattform nötig – Microsoft Teams wird bislang nicht genannt, was für viele deutsche Unternehmen eine Hürde sein dürfte.
Für den Einsatz in Deutschland sollten IT- und Datenschutzverantwortliche zudem klären, wo Gesprächsdaten verarbeitet werden und welche Vereinbarungen der jeweilige Partner anbietet. Dazu hat Google in der aktuellen Ankündigung keine Details veröffentlicht.
Häufige Fragen
Kann ich Google Beam in Deutschland kaufen?
Ja, als Unternehmen. Google liefert Beam nun auch nach Deutschland aus; bestellt wird über einen der Channel-Partner, nicht über einen Onlineshop.
Was kostet Google Beam?
HP nannte für das HP Dimension 24.999 US-Dollar, die Beam-Lizenz kommt hinzu. Einen offiziellen Euro-Preis gibt es nicht.
Brauche ich eine VR-Brille?
Nein. Die räumliche Darstellung entsteht über das Lichtfeld-Display, ohne Brille oder Headset.
Gibt es Beam-Kabinen in deutschen Co-Working-Spaces?
Bisher nicht. Die buchbaren Räume bei Industrious starten im Oktober 2026 nur an vier Standorten in den USA (New York City, Palo Alto, Chicago, Atlanta).











