Rund zweieinhalb Jahre nach dem Start verabschiedet sich Microsoft leise von der Marke Copilot+ PC. Mit ihr hatte der Konzern seit Mai 2024 Windows-Notebooks gekennzeichnet, deren KI-Beschleuniger (NPU) stark genug für lokale KI-Funktionen ist. Die neuen Surface-Geräte tragen das Etikett nicht mehr. Eine Pressemitteilung oder einen Blogeintrag zum Ende der Marke gibt es nicht – bestätigt hat den Schritt aber der zuständige Manager.
Was genau ist passiert?
Das US-Portal Windows Central hat bei Brett Ostrum nachgefragt, der bei Microsoft als Corporate Vice President für Surface verantwortlich ist. Seine Antwort: Die neuen Surface-Geräte werden nicht als Copilot+ PCs bezeichnet. Technisch erfüllen sie die Anforderungen der Kategorie weiterhin und unterstützen dieselben Funktionen. Über den Bericht haben inzwischen auch The Verge, Pureinfotech und weitere Fachmedien berichtet.
Wie deutlich der Kurswechsel ist, zeigen Microsofts eigene Texte. Im Mai 2025 stellte der Devices Blog die erste Generation von Surface Pro 12 Zoll und Surface Laptop 13 Zoll noch unter der Überschrift „Introducing all-new Surface Copilot+ PCs“ vor. Die Nachfolger mit Snapdragon X2 Plus, angekündigt am 23. September 2026, kommen ohne den Begriff aus – weder im englischen Blogeintrag noch in der deutschsprachigen Mitteilung von Microsoft EMEA taucht „Copilot+“ auf. Stattdessen nennt Microsoft nur noch ein Leistungsplus von bis zu 95 Prozent bei KI-Aufgaben, die direkt auf der NPU laufen. Mehr zu den Geräten lesen Sie in unserem Beitrag Surface Pro 12 Zoll und Laptop 13 Zoll mit Snapdragon X2 Plus.

Erste Anzeichen gab es schon im Juni. Laut Windows Latest präsentierte Microsoft den Surface Laptop Ultra mit NVIDIAs RTX-Spark-Plattform ohne jeden Copilot+-Hinweis, obwohl das Gerät die Mindestanforderungen weit übertrifft. Damals ließ sich das noch mit NVIDIAs prominenter Rolle im Marketing erklären. Auch bei Qualcomm, dem wichtigsten Partner zum Start der Kategorie, verschiebt sich die Sprache: Nach Angaben von Pureinfotech beschrieb Compute-Chef Kedar Kondap Copilot+ eher als technische Untergrenze für NPU-Funktionen denn als Marke, die man bewerben müsse.
Warum gibt Microsoft die Marke auf?
Eine offizielle Begründung liefert Microsoft nicht. Die Berichte nennen aber wiederkehrende Gründe:
- Holpriger Start mit Recall: Die Funktion, die Copilot+ PCs besonders machen sollte – eine durchsuchbare Bildschirm-Chronik –, geriet 2024 kurz nach der Vorstellung wegen Sicherheits- und Datenschutzbedenken in die Kritik. Microsoft verschob sie, die ersten Copilot+ PCs kamen ohne Recall in den Handel.
- Unklarer Nutzen: Viele Kundinnen und Kunden konnten nicht erkennen, was ein Copilot+ PC mehr kann als ein gewöhnlicher Windows-11-Laptop. Der Großteil von Copilot läuft ohnehin in der Cloud.
- Verwässertes Etikett: Windows Latest weist darauf hin, dass Microsoft zuletzt sogar eine Surface-Business-Variante mit 8 GB RAM als Copilot+ PC vermarktete, obwohl 16 GB ursprünglich Pflicht waren. Gleichzeitig liegen Geräte wie der Surface Laptop Ultra weit über der Schwelle – dasselbe Label stand also für sehr unterschiedliche Hardware.
Was bedeutet das für Käufer in Deutschland?
Technisch ändert sich wenig. Die an Copilot+ gebundenen Windows-Funktionen – Recall, Click to Do, die verbesserte Windows-Suche, Windows-Studio-Effekte für die Kamera sowie KI-Werkzeuge in Paint und Fotos – benötigen weiter eine passende NPU und bleiben erhalten. Bereits verkaufte Geräte behalten ihre Funktionen, und im Handel dürfte das Etikett auf älteren Modellen noch eine Weile zu sehen sein.
Beim Kauf sollten Sie sich daher nicht mehr auf den Aufkleber verlassen, sondern auf das Datenblatt. Die ursprünglichen Vorgaben von Microsoft bleiben ein guter Maßstab:
| Komponente | Copilot+-Vorgabe (2024) | Darauf achten |
|---|---|---|
| NPU | mindestens 40 TOPS | TOPS-Wert der NPU, nicht Summe aus CPU, GPU und NPU |
| Arbeitsspeicher | 16 GB | 8-GB-Konfigurationen meiden, wenn lokale KI wichtig ist |
| SSD | 256 GB | 512 GB sind für mehrere Jahre Nutzung sinnvoller |
| Prozessor | Snapdragon X, AMD Ryzen AI 300, Intel Core Ultra 200V oder neuer | exakte Chip-Bezeichnung und Generation |
Ein Hinweis zu den Werbeangaben: Manche Hersteller nennen eine Gesamt-TOPS-Zahl für den ganzen Chip. Für die Windows-KI-Funktionen zählt aber nur die Leistung der NPU.
Die neuen Surface-Modelle kommen laut Microsoft EMEA am 13. Oktober in den deutschen Handel. Das Surface Pro 12 Zoll (2nd Edition) startet bei 1.259 Euro, der Surface Laptop 13 Zoll (2nd Edition) bei 1.319 Euro, die neue Surface Mouse kostet 89,99 Euro. Welche Speicherausstattung die Einstiegspreise umfassen, geht aus der Mitteilung nicht hervor – ein Blick in die Konfiguration vor dem Kauf lohnt sich also, gerade wegen der RAM-Frage.

Einordnung
Das stille Ende von Copilot+ passt zu einem breiteren Trend: Hersteller werben wieder mit Akkulaufzeit, Leistung und konkreten Funktionen statt mit Sammelbegriffen rund um KI. Die NPU verschwindet dabei nicht – sie wird zur Selbstverständlichkeit, ähnlich wie WLAN oder eine Webcam. Für Käufer ist das nicht unbedingt schlechter, verlangt aber etwas mehr Aufmerksamkeit beim Vergleich der technischen Daten.
Offen bleibt, ob Microsoft auch seine Partner wie Dell, HP oder Lenovo offiziell vom Label entbindet und ob die Copilot+-Seiten im Microsoft Store angepasst werden. Dazu gibt es bislang keine Aussage. Die Geräte selbst haben wir nicht ausprobiert; alle Angaben stammen von Microsoft und den genannten Quellen.
Häufige Fragen
Werden Copilot+ PCs jetzt eingestellt? Nein. Nur der Markenname wird bei neuen Surface-Geräten nicht mehr genutzt. Die Hardware-Klasse und die Funktionen bleiben.
Funktioniert Recall auf den neuen Surface-Geräten? Laut Brett Ostrum erfüllen die neuen Modelle die Anforderungen und unterstützen dieselben Funktionen wie Copilot+ PCs, also auch Recall.
Verliert mein bestehender Copilot+ PC Funktionen? Dafür gibt es keine Hinweise. Microsoft hat keine Funktion zurückgezogen.
Woran erkenne ich künftig einen KI-fähigen Windows-Laptop? Am Datenblatt: NPU mit mindestens 40 TOPS, 16 GB RAM und mindestens 256 GB SSD.










