Mehr Tempo durch künstliche Intelligenz soll sich für Bankangestellte in freier Zeit auszahlen. Mit dieser Idee startet der Deutsche Bankangestellten-Verband (DBV) in die anstehende Gehaltsrunde der privaten Banken: Beschäftigte, deren Arbeit durch KI-Werkzeuge dichter wird, sollen pro Quartal zwischen einem und drei zusätzliche freie Tage bekommen. Aufs Jahr gerechnet wären das bis zu zwölf Tage. Die erste Verhandlungsrunde mit dem Arbeitgeberverband AGV Banken ist für den 8. Oktober 2026 in Berlin angesetzt.

Dass eine Gewerkschaft einen tariflichen Freizeitausgleich ausdrücklich an den Einsatz von KI koppelt, ist ungewöhnlich. Die Debatte dürfte deshalb weit über Frankfurter Bankentürme hinaus beobachtet werden.

Was genau fordert der DBV?

Die KI-Entlastungstage sind laut der Forderungsübersicht des DBV als „Produktivitätsausgleich“ gedacht. Die konkrete Zahl der Tage soll sich nach Art und Umfang der Belastung richten und auf betrieblicher Ebene ausgehandelt werden. Nach Berichten von t3n sollen die Tage im jeweiligen Quartal genommen werden und nicht ins nächste übertragbar sein; Teilzeitkräfte sollen einbezogen werden.

Die Begründung: KI beschleunige zwar einzelne Arbeitsschritte, gleichzeitig steige aber die Zahl der Fälle pro Person, und mehr Ergebnisse müssten geprüft und verantwortet werden. DBV-Verhandlungsführer Wolfgang Ermann formuliert es so: „Wo Arbeit dichter, komplexer oder verantwortungsvoller wird, braucht der Betrieb einen Ausgleich.“

Die freien Tage sind nur ein Teil des Pakets. Zu den weiteren Punkten gehören:

  • ein Gehaltsplus von 9,5 Prozent, gültig ab 1. Oktober 2026 für zwei Jahre
  • 160 Euro mehr pro Monat für alle Auszubildenden
  • ein Anspruch auf Weiterbildung, bevor KI-Systeme eingeführt werden
  • eine Modernisierung der Gehaltsgruppen und des Rationalisierungsschutzabkommens
  • das Recht, sich vom Bruttogehalt maximal zehn weitere Urlaubstage zu kaufen
  • Lebensarbeitszeitkonten und ein neues Teilzeitmodell für die letzten vier Jahre vor der Rente
Tarifrunde private Banken 2026: Forderungen des DBV
Grafik: dasTECHNO · Daten: DBV, AGV Banken (Stand: 26.09.2026)

Wie reagieren die Arbeitgeber?

Der AGV Banken hält wenig von der Idee. Hauptgeschäftsführer Carsten Rogge-Strang argumentiert sinngemäß, zusätzliche freie Tage würden die Arbeit ausgerechnet dort verteuern, wo durch Automatisierung ohnehin Aufgaben wegfallen, und könnten damit am Ende Arbeitsplätze gefährden. Die Gehaltsforderung von 9,5 Prozent hatten die Banken bereits im August als deutlich zu hoch bezeichnet.

Rückendeckung holt sich der Verband aus einer Kantar-Umfrage, die er selbst in Auftrag gegeben hat. Von 942 befragten Beschäftigten privater Banken gaben 52 Prozent an, der technologische Wandel belaste sie überhaupt nicht. Beschäftigte, die bereits mit KI arbeiten, äußerten sich laut dem Fachmagazin Personalwirtschaft zufriedener als der Durchschnitt.

Der DBV stützt sich dagegen auf eine eigene, nicht repräsentative Befragung mit über 2.000 Teilnehmern, in der rund 61 Prozent eine Gehaltserhöhung von mindestens acht Prozent für angemessen hielten.

Warum das Thema über Banken hinaus wichtig ist

Wer profitiert, wenn KI die Produktivität erhöht? Diese Frage stellt sich in vielen Büros, von Versicherungen über Behörden bis zur IT-Branche. Bisher lautet die Antwort in der Praxis oft: Die eingesparte Zeit wird mit zusätzlichen Aufgaben gefüllt. Arbeitspsychologen wie Marlen Cosmar von der DGUV Akademie warnen, dass eine dauerhaft höhere Arbeitsdichte chronischen Stress begünstigen kann.

Der DBV versucht, diesen Effekt tariflich zu begrenzen, statt nur über Gehalt zu verhandeln. Setzt er sich auch nur teilweise durch, hätten andere Gewerkschaften eine Vorlage. Scheitert die Forderung, dürfte sie als Verhandlungsmasse für die Gehaltsrunde dienen. Parallel verschieben sich auch die rechtlichen Rahmenbedingungen: Wie Politik und Aufsicht die Haftung für KI-Agenten regeln wollen, lesen Sie in unserem Überblick. Wie stark KI bereits den Einstieg in IT-Berufe verändert, zeigt eine Auswertung von Indeed.

Zeitplan und Hintergrund

Der aktuelle Gehaltstarifvertrag stammt vom Juli 2024. Damals einigten sich AGV Banken, verdi und DBV auf 10,5 Prozent mehr Gehalt in drei Stufen (5,5 Prozent ab August 2024, 3,0 Prozent ab August 2025, 2,0 Prozent ab Juli 2026). Der Vertrag läuft bis Ende September 2026 und betrifft nach Angaben des Arbeitgeberverbands rund 135.000 Beschäftigte.

TerminRundeOrt
8. Oktober 20261. VerhandlungsrundeBerlin
2. November 20262. VerhandlungsrundeRaum Frankfurt
23. November 20263. VerhandlungsrundeBerlin

Der Tarifvertrag gilt für private Banken wie Deutsche Bank und Commerzbank, nicht für Sparkassen, Landesbanken oder Volks- und Raiffeisenbanken, die eigene Tarifwerke haben. Welche Forderungen verdi in dieser Runde erhebt, war zum Zeitpunkt dieses Artikels nicht Teil der hier ausgewerteten Quellen.

Häufige Fragen

Was sind KI-Entlastungstage?

Zusätzliche bezahlte freie Tage für Beschäftigte, deren Arbeit durch den Einsatz künstlicher Intelligenz dichter oder verantwortungsvoller wird. Der DBV fordert je nach Belastung ein bis drei Tage pro Quartal.

Gilt das schon für Bankangestellte?

Nein. Es handelt sich um eine Forderung der Gewerkschaft. Ob und in welcher Form sie kommt, entscheidet sich erst in den Tarifverhandlungen ab dem 8. Oktober 2026.

Wer wäre betroffen?

Beschäftigte privater Banken, die unter den Flächentarifvertrag fallen, laut AGV Banken rund 135.000 Menschen. Sparkassen und Genossenschaftsbanken verhandeln getrennt.

Wie viel mehr Gehalt fordert der DBV?

9,5 Prozent für zwei Jahre sowie 160 Euro mehr für Auszubildende.

Titelbild: Deutsche-Bank-Türme in Frankfurt, Foto: Paul Colin Hennig / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0