Microsoft hat mit Microsoft-Decision-1 ein KI-Modell vorgestellt, das keine Texte schreibt, sondern Entscheidungen trifft. Das am 9. Oktober 2026 angekündigte Modell bekommt eine Frage und eine feste Liste möglicher Antworten und gibt zurück, welche Option passt, samt einer Wahrscheinlichkeit für jede Option. Gedacht ist es für Unternehmen und Entwickler, die KI-Agenten bauen und dabei viele kleine Weichen stellen müssen.

Gerade dieser Teil der Agenten-Arbeit ist bislang oft teuer: Ob eine Kundenanfrage an den Support oder den Vertrieb geht, ob ein Ergebnis gut genug ist oder ob ein Arbeitsschritt wiederholt werden muss, entscheiden heute häufig große Sprachmodelle. Microsoft will dafür ein kleineres, spezialisiertes Werkzeug anbieten.

Was macht Microsoft-Decision-1 anders als ein Chatbot?

Ein klassisches Sprachmodell formuliert eine Antwort Wort für Wort. Microsoft-Decision-1 bewertet stattdessen in einem einzigen Durchgang vorgegebene Möglichkeiten. Laut Microsoft unterstützt es diese Entscheidungsarten:

  • Ja/Nein-Fragen, etwa: Enthält dieses Ticket eine Beschwerde?
  • Multiple Choice, zum Beispiel die Zuordnung einer Anfrage zu einer Abteilung
  • Bewertungen auf einer Skala
  • Benotung nach festen Kriterien (Rubrik), etwa für die Qualitätskontrolle von KI-Antworten

Typische Einsatzfelder sind laut Hersteller Routing, Klassifizierung, Priorisierung, Prüfung von Ergebnissen und die Steuerung von Agenten-Abläufen. Weil das Modell nur eine Auswahl liefert, lässt sich sein Ergebnis direkt in Software weiterverarbeiten, ohne dass ein Programm erst einen Fließtext auswerten muss.

Technisch basiert die erste Version auf Qwen3.5-9B, einem offenen Modell von Alibaba mit neun Milliarden Parametern. Microsoft hat es für diese Aufgabe nachtrainiert und kündigt an, das Modell bald auch auf eigene MAI-Modelle und auf Modelle von OpenAI umzustellen.

Wie schnell ist das Modell laut Microsoft?

Microsoft hat das Modell nach eigenen Angaben auf 36 Benchmarks mit rund 150.000 Fragen geprüft, die beim Training nicht verwendet wurden. Dabei habe es im Vergleichsfeld die höchste Genauigkeit erreicht. Eine eigene Messung haben wir nicht durchgeführt; alle Zahlen stammen vom Hersteller.

Microsoft-Decision-1: Tempo und Kosten laut Microsoft
Grafik: dasTECHNO · Daten: Microsoft (9. Oktober 2026)

Auffällig ist vor allem das Tempo: Bei der mittleren Antwortzeit (P50-Latenz) soll Microsoft-Decision-1 etwa 35-mal schneller als GPT-6 Sol sein und 2,5-mal schneller als H2O-Lightning-4B v1.1, ein anderes kleines Entscheidungsmodell. Microsoft betont außerdem die Stabilität: Bei leicht veränderten Fragestellungen habe das Modell seine Entscheidung im Schnitt nur in 1,3 Prozent der Fälle geändert. Wurden die Antwortoptionen umformuliert oder in eine andere Reihenfolge gebracht, gab es gar keinen Wechsel.

Für die Sicherheit hat Microsoft 5.250 Anfragen aus elf Benchmarks eingesetzt, darunter Jailbreak-Versuche und Prompt Injection. Das Modell habe schädliche Anfragen dabei zuverlässig abgelehnt.

Wo Microsoft das Modell selbst einsetzt

Konzernintern läuft Microsoft-Decision-1 bereits in mehreren Teams. Xbox Research hat damit über 10.000 Spieler-Rückmeldungen sortiert, nach Microsofts Angaben in vergleichbarer Qualität wie GPT-6 Sol, aber mehr als 14-mal schneller und 200-mal günstiger. Das Copilot-Team nutzt das Modell zur Qualitätsmessung und meldet eine 100-fache Beschleunigung gegenüber GPT5.6 Luna. In der Forschungsplattform Microsoft Discovery bewertet es Experimente, damit ein Agent seinen Plan anpassen kann. Laut Satya Nadella testet Microsoft das Modell auch bei der Reaktion auf IT-Störungen:

Preis und Verfügbarkeit

Microsoft-Decision-1 ist über Microsoft Foundry (Azure) und die Plattform OpenRouter buchbar. Abgerechnet wird nur die Eingabe: 0,042 US-Dollar pro Million Token. Die Ausgabe ist kostenlos, was bei einem Modell, das nur eine Option zurückgibt, ohnehin kaum ins Gewicht fallen würde. Einen eigenen Euro-Preis hat Microsoft nicht genannt.

Microsoft vergleicht das Modell bewusst mit großen Sprachmodellen wie GPT-6 Sol, die viele Firmen heute auch für einfache Ja/Nein-Fragen einsetzen. Das Xbox-Beispiel mit 200-mal geringeren Kosten zeigt, wo der Hersteller die Ersparnis sieht: bei großen Mengen kleiner, gleichförmiger Entscheidungen.

Was bedeutet das für Unternehmen in Deutschland?

Auch im deutschen Mittelstand werden KI-Agenten gerade zum Thema, etwa für E-Mail-Sortierung, Ticket-Vorqualifizierung oder die Prüfung von Rechnungen. Ein günstiges, schnelles Entscheidungsmodell kann solche Abläufe billiger machen, ersetzt aber kein Sprachmodell, wenn tatsächlich Text geschrieben werden muss. Sinnvoll ist eher die Kombination: Das große Modell formuliert, das kleine entscheidet über den nächsten Schritt.

Offen ist, in welcher Region die Daten bei Nutzung über Foundry verarbeitet werden; Microsoft macht dazu in der Ankündigung keine Angaben. Wer personenbezogene Daten wie Kundenanfragen klassifizieren lässt, sollte das vor dem Einsatz klären und die DSGVO-Pflichten prüfen. Wie Microsoft Agenten generell in Office einbauen will, lesen Sie in unserem Artikel zum neuen Microsoft 365 Copilot. Zuletzt hatte der Konzern mit eigenen MAI-Audiomodellen seine Modellpalette erweitert.

Häufige Fragen

Was kostet Microsoft-Decision-1?

0,042 US-Dollar pro Million Eingabe-Token. Ausgabe-Token berechnet Microsoft nicht.

Kann ich Microsoft-Decision-1 in Copilot oder ChatGPT nutzen?

Nein, es ist ein Modell für Entwickler. Es wird über Microsoft Foundry und OpenRouter per Schnittstelle angesprochen und hat keine eigene Chat-Oberfläche für Endkunden.

Auf welchem Modell basiert Microsoft-Decision-1?

Die erste Version ist ein nachtrainiertes Qwen3.5-9B. Microsoft plant Versionen auf Basis eigener MAI-Modelle und von OpenAI-Modellen.