Zwei der größten Tech-Konzerne fahren ihre interne Nutzung von Claude Code offenbar deutlich zurück. Wie The Information Anfang Oktober 2026 berichtete, sollen Microsoft und Meta ihre Beschäftigten verstärkt zu hauseigenen KI-Werkzeugen lenken und die Ausgaben für Anthropics Programmierassistenten begrenzen. Die Angaben stammen aus internen Unterlagen und Gesprächen mit Insidern. Bestätigt haben weder Microsoft noch Meta oder Anthropic die Zahlen.
Für Anthropic wäre das ein spürbarer Einschnitt: Claude Code ist eines der bekanntesten Produkte des Unternehmens, und Großkunden wie Microsoft und Meta zählen zu den sichtbarsten Referenzen.
Was ist bei Microsoft geplant?
Dem Bericht zufolge hatten Microsoft-Manager damit gerechnet, jährlich mindestens eine Milliarde US-Dollar für Claude und andere Anthropic-Technik auszugeben, die von den eigenen Beschäftigten genutzt wird. Diese Prognose soll nun um mehr als ein Drittel sinken. Besonders deutlich fällt der Schnitt in der Sparte Cloud & AI aus: Dort sei die monatliche Obergrenze für KI-Ausgaben pro Person für die meisten Beschäftigten von 100.000 auf rund 10.000 US-Dollar gesenkt worden. Als treibende Kräfte nennt The Decoder die Cloud-Chefs Scott Guthrie und Jay Parikh.
Stattdessen sollen Entwicklerinnen und Entwickler vor allem GitHub Copilot und bevorzugte Modelle nutzen, darunter die von OpenAI. Das passt zur Strategie des Konzerns, der mit Copilot ein eigenes Agenten-Angebot aufbaut und an OpenAI beteiligt ist.

Und bei Meta?
Bei Meta zeigt sich der Wandel an der Nutzerzahl. Anfang 2026 sollen rund 60.000 Beschäftigte Claude Code verwendet haben, zuletzt waren es etwa 30.000. Ein Teil des Rückgangs geht laut Bericht auf Stellenabbau zurück, der größere Teil auf die Förderung eigener Werkzeuge: Das interne MetaCode kommt demnach auf mehr als 30.000 Nutzer, Muse Code auf über 6.000. Muse Code ist Teil der Meta Enterprise Platform, die Meta am 28. September vorgestellt hat und die auch Unternehmen und Entwicklern offensteht.
Wie hoch Metas Claude-Rechnung zuvor war, lässt sich nur grob einordnen. The Decoder nennt unter Berufung auf The Information mehr als 105 Millionen US-Dollar innerhalb von 28 Tagen. Schon im Juni soll Meta zudem Budgetkontrollen für KI-Werkzeuge eingeführt haben.
Warum steigen die Konzerne um?
Zwei Gründe ziehen sich durch die Berichte: Kosten und Eigeninteresse. Agentische Programmierwerkzeuge wie Claude Code verbrauchen bei langen Aufgaben sehr viele Tokens; bei zehntausenden Beschäftigten summiert sich das schnell zu Beträgen in dreistelliger Millionenhöhe. Gleichzeitig haben beide Konzerne inzwischen eigene Modelle und Werkzeuge, die sie intern erproben und anschließend verkaufen wollen. Jede interne Lizenz bei einem Wettbewerber ist da auch ein strategisches Signal.
Zur Einordnung: Anthropic hatte erst kürzlich die Nutzungslimits von Claude Code angepasst und baut parallel seine Rechenkapazität aus, etwa mit dem Cloud-Deal mit Akamai.
Was bedeutet das für Unternehmen in Deutschland?
Direkt betroffen ist niemand außerhalb der beiden Konzerne. Es geht ausschließlich um die interne Nutzung durch Microsoft- und Meta-Beschäftigte. Wer Claude über Microsoft bezieht, kann es laut Channel Insider weiterhin über Microsoft Foundry und Azure nutzen; neue Einschränkungen für Kunden sind nicht bekannt.
Interessant ist der Bericht trotzdem für IT-Verantwortliche, die selbst KI-Programmierwerkzeuge im großen Stil einführen. Er zeigt, wie schnell die Kosten bei breiter Nutzung wachsen können. Sinnvoll sind daher:
- feste Budgets pro Team oder Person statt unbegrenzter Nutzung,
- ein Überblick, welche Aufgaben tatsächlich teure Agentenläufe brauchen,
- eine Strategie mit mehreren Modellen, damit kein einzelner Anbieter unverzichtbar wird.
Häufige Fragen
Hat Microsoft die Kürzungen bestätigt?
Nein. Die Zahlen stammen aus dem Bericht von The Information, den mehrere Medien aufgegriffen haben. Microsoft, Meta und Anthropic haben sich dazu nicht öffentlich geäußert.
Können Microsoft-Kunden Claude weiter nutzen?
Ja. Laut den vorliegenden Berichten betrifft die Änderung nur die interne Nutzung. Über Microsoft Foundry und Azure bleibt Claude verfügbar.
Welche Werkzeuge ersetzen Claude Code?
Bei Microsoft vor allem GitHub Copilot und OpenAI-Modelle, bei Meta die eigenen Werkzeuge MetaCode und Muse Code.









