Auf seiner Hausmesse Snapdragon Summit 2026 in Maui zeigt Qualcomm eine neue Chipplattform für Audio-Wearables. Snapdragon Sound Elite Gen 2 soll kabellose Kopfhörer, Earbuds und Audio-Brillen mit deutlich mehr KI-Rechenleistung ausstatten und sie per integriertem Wi-Fi 6E direkt mit Cloud-Diensten verbinden. Die Ankündigung erfolgte am 23. September 2026, nach deutscher Zeit am Abend.
Einen Tag zuvor hatte Qualcomm mit dem Snapdragon 8 Elite Gen 6 bereits die nächste Smartphone-Generation gezeigt. Jetzt geht es um die Geräte, die Sie im Ohr oder auf der Nase tragen.

Die technischen Daten im Überblick
Qualcomm vergleicht die neue Plattform mit dem Snapdragon S7 Gen 1 aus dem Jahr 2023. Nach Herstellerangaben ergeben sich folgende Unterschiede:
- KI-Beschleuniger (eNPU): bis zu 128 GOPS und 256 MACs pro Takt, beim Vorgänger waren es 64 GOPS und 128 MACs – also die doppelte Leistung.
- Leistungsaufnahme: bis zu 40 Prozent geringer. Hersteller können das in längere Akkulaufzeiten oder kleinere Akkus umsetzen.
- Chipfläche: bis zu 30 Prozent kleiner, was vor allem bei schmalen Brillenbügeln hilft.
- Konnektivität: Micro-Power Wi-Fi 6E für den direkten Cloud-Zugang, dazu Qualcomm XPAN für Verbindungen jenseits der üblichen Bluetooth-Reichweite.
- Audio: aptX Lossless für verlustfreies Streaming, Adaptive ANC der fünften Generation, cVc-Sprachaufnahme und Unterstützung für mehrere Mikrofone.

Earbuds mit Kamera und KI-Assistent
Qualcomm nennt als Zielgeräte neben klassischen In-Ear- und Over-Ear-Kopfhörern auch Open-Ear-Designs, Audio-Brillen, Geräte für Hörgesundheit und sogenannte Camera Buds, also Ohrhörer mit Kamera. Die Kamera soll laut Qualcomm nicht zum Fotografieren dienen, sondern dem KI-Assistenten Kontext über die Umgebung liefern.
Ziad Asghar, bei Qualcomm Senior Vice President für XR, Wearables und Personal AI, begründet den Schritt mit einer eigenen Umfrage: Bis zu 70 Prozent der Nutzer wünschten sich fortgeschrittene KI-Funktionen in ihren Wearables. Als Anwendungen nennt er etwa Echtzeit-Übersetzung, kontextbezogene Hilfe und personalisiertes Hören.
Was bedeutet das für Sie?
Heute läuft die Sprachsteuerung bei Kopfhörern praktisch immer über das Smartphone. Mit eigenem WLAN könnte ein Kopfhörer im Heimnetz oder im Büro direkt mit einem Cloud-Assistenten sprechen, auch wenn das Handy gerade in einem anderen Raum liegt.
Für Nutzer in Deutschland stellt sich dabei auch die Datenschutzfrage: Wenn Kopfhörer mit Mikrofonen und womöglich Kamera direkt mit Cloud-Diensten kommunizieren, wird entscheidend sein, welche Daten die Hersteller verarbeiten und ob sie die Vorgaben der DSGVO transparent umsetzen. Qualcomm spricht von einer „sicherheitsorientierten“ Cloud-Anbindung, Details liefern aber erst die Gerätehersteller.
Wichtig ist zudem: Alle Prozentwerte stammen von Qualcomm selbst. Wie sich WLAN im Alltag auf die Akkulaufzeit auswirkt, zeigt sich erst mit den ersten Geräten.
Wann kommen die ersten Geräte nach Deutschland?
Das ist noch offen. Qualcomm hat weder Gerätehersteller noch Termine genannt. Als Partner im Ökosystem führt das Unternehmen Software- und Musikdienste wie Cinemo, MicroEJ, Qobuz und Roon auf. Da der Chip nicht einzeln verkauft wird, gibt es auch keinen Euro-Preis. Preise und Verfügbarkeit in Deutschland legen später die jeweiligen Kopfhörer-Marken fest.











