Deutsche und österreichische Behörden haben erneut tausende Telefonnummern stillgelegt, über die mutmaßliche Betrüger angeblich lukrative Online-Geldanlagen verkauft haben. Laut einer gemeinsamen Mitteilung vom 25. September 2026 wurden innerhalb von drei Monaten 9.304 deutsche Rufnummern abgeschaltet. Federführend ist das Cybercrime-Zentrum der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe im Rahmen der sogenannten „Operation Herakles“.
Für Sie als Verbraucherin oder Verbraucher bedeutet das: Ein Teil der Anrufer, die mit Krypto-, Aktien- oder CFD-„Chancen“ locken, ist vorerst nicht mehr erreichbar. Das Problem ist damit aber nicht gelöst, denn die Täter wechseln erfahrungsgemäß schnell auf neue Nummern.
Was wurde genau abgeschaltet?
An der aktuellen Phase waren neben der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe das Landeskriminalamt Baden-Württemberg, das Bundeskriminalamt, die Finanzaufsicht BaFin und die Bundesnetzagentur beteiligt, dazu Behörden aus Österreich. Die Nummern wurden aus Ermittlungsergebnissen abgeleitet, unter anderem aus der Aufsichtsarbeit der BaFin gegen unerlaubte Trading-Angebote. Die Bundesnetzagentur hat die Abschaltungen gegenüber den zuständigen Telekommunikationsunternehmen angeordnet.

| Zeitraum / Bereich | Abgeschaltete Rufnummern |
|---|---|
| Aktion bis Anfang Dezember 2025 (Deutschland) | 3.562 |
| Letzte drei Monate bis September 2026 (Deutschland) | 9.304 |
| Gesamt seit Beginn – Deutschland | 13.397 |
| Gesamt seit Beginn – Österreich | 491 |
| Gesamt | 13.888 |
Die Zahlen zeigen, wie stark die Operation an Tempo gewonnen hat: Allein die jüngste Welle umfasst mehr als doppelt so viele Nummern wie die Aktion aus dem Dezember 2025.
Warum müssen auch die Telefonanbieter nachbessern?
Neu an dieser Phase ist, dass die Behörden nicht nur einzelne Nummern sperren, sondern an der Quelle ansetzen. Die Bundesnetzagentur verlangt von den betroffenen Anbietern, ihre Registrierungsprozesse anzupassen und die Compliance-Kontrollen bei Vertriebspartnern und Wiederverkäufern zu verschärfen. Ziel ist, dass sich Betrüger gar nicht erst in großer Zahl Rufnummern über Zwischenhändler beschaffen können.
Die Behörden beschreiben es als strategisches Ziel, die kriminelle Infrastruktur dauerhaft zu schwächen und die Täter aus dem deutschen Rufnummernraum zu verdrängen. Strafrechtlich wird unter anderem wegen Verabredung zum gewerbsmäßigen Bandenbetrug ermittelt.
Was ist Cyber-Trading-Betrug?
Beim sogenannten Cyber-Trading-Fraud werben Täter über Online-Anzeigen, soziale Netzwerke oder direkte Anrufe für angebliche Handelsplattformen. Opfer zahlen zunächst kleine Beträge ein und sehen im Kundenkonto scheinbare Gewinne. Anschließend drängen „Berater“ am Telefon zu immer höheren Einzahlungen. Eine Auszahlung gelingt in der Regel nicht, das Geld ist weg.
Das Telefon ist dabei das zentrale Werkzeug: Über den persönlichen Kontakt bauen die Täter Vertrauen und Druck auf. Genau hier setzt die Abschaltung der Rufnummern an.
Wie ist die Operation bisher verlaufen?
Operation Herakles läuft seit 2025. In zwei Aktionen im Juni und Oktober 2025 nahmen die Behörden zunächst mehr als 2.200 betrügerische Trading-Domains vom Netz. Im Dezember 2025 folgte die erste große Rufnummern-Welle mit rund 3.500 abgeschalteten deutschen Nummern; damals wurden auch österreichische Festnetznummern in Abstimmung mit dem dortigen Bundeskriminalamt deaktiviert. Die jetzige Phase ist die bislang größte. Ob und wann weitere Schritte folgen, haben die Behörden nicht mitgeteilt.
So schützen Sie sich vor Anlagebetrug am Telefon
Die Behörden raten zu einigen einfachen Grundregeln:
- Anbieter prüfen: Bevor Sie sich auf einer Trading-Plattform registrieren oder Geld überweisen, sehen Sie in der Unternehmensdatenbank der BaFin nach, ob der Anbieter eine Erlaubnis hat.
- Keinen Druck zulassen: Seriöse Anbieter drängen nicht zu schnellen Entscheidungen. Nehmen Sie sich Zeit und holen Sie eine zweite Meinung ein, etwa bei der Verbraucherzentrale.
- Daten schützen: Geben Sie keine Zugangsdaten zu Bank oder Depot, keine Ausweiskopien und keine Fernwartungszugänge an Fremde heraus.
- Anzeige erstatten: Wer bereits Geld verloren hat, sollte Anzeige bei der Polizei erstatten und alle Belege aufbewahren.
Verdächtige Links in E-Mails und Messenger-Nachrichten sind oft der erste Kontaktpunkt. Wie Sie solche Nachrichten erkennen, lesen Sie in unserem Ratgeber Phishing erkennen.
Häufige Fragen
Kann ich mich jetzt auf ruhige Leitungen verlassen?
Nein. Die Abschaltung trifft bekannte Nummern. Täter können auf neue Nummern, ausländische Anschlüsse oder Messenger ausweichen. Wachsam bleiben lohnt sich weiterhin.
Woran erkenne ich einen Betrugsanruf?
Typisch sind unaufgeforderte Anrufe mit Renditeversprechen, Zeitdruck, die Bitte um Fernzugriff auf den PC und Plattformen ohne nachweisbare Zulassung.
Wer ist für die Rufnummern zuständig?
Die Bundesnetzagentur verwaltet den deutschen Rufnummernraum und kann bei Missbrauch Abschaltungen gegenüber Anbietern anordnen. Beschwerden über Rufnummernmissbrauch nimmt sie auf ihrer Website entgegen.











