Neue Smartphones kommen in Deutschland fast immer ohne Netzteil in der Schachtel. Wer ein USB-C-Ladegerät kaufen möchte, steht dann vor Angaben wie 20 W, 65 W, „PD 3.0“, „PPS“ oder „GaN“. In dieser Kaufberatung erfahren Sie, was diese Begriffe bedeuten, wie viel Leistung Ihre Geräte wirklich brauchen, worauf Sie beim Kabel achten sollten und was die EU-Regeln zum einheitlichen Ladegerät für Sie ändern.

Was bedeutet die Watt-Angabe auf dem Ladegerät?

Die Watt-Zahl (W) beschreibt die maximale Leistung, die ein Netzteil abgeben kann. Sie ergibt sich aus Spannung mal Stromstärke: 9 Volt × 3 Ampere = 27 Watt. Ein Netzteil mit „65 W“ auf dem Gehäuse kann also bis zu 65 Watt liefern – es muss es aber nicht.

Entscheidend ist: Moderne USB-C-Geräte handeln die Leistung aus. Bevor der eigentliche Ladevorgang beginnt, „sprechen“ Netzteil und Gerät miteinander und einigen sich auf eine Spannung und einen Strom, die beide unterstützen. Ein Smartphone, das höchstens 27 Watt verträgt, zieht an einem 100-Watt-Netzteil daher auch nur 27 Watt. Umgekehrt lädt ein Laptop an einem zu schwachen Netzteil nur langsam oder gar nicht.

Was ist USB Power Delivery (USB PD)?

USB Power Delivery ist der offene Schnelllade-Standard des USB Implementers Forum (USB-IF). Er ist herstellerübergreifend und inzwischen der wichtigste Begriff auf der Verpackung. Die Leistungsstufen im Überblick:

USB Power Delivery: Spannung, Strom und Leistung
Grafik: dasTECHNO · Daten: USB-IF (USB PD 3.1)
  • Standard Power Range (SPR): Spannungen von 5, 9, 15 und 20 Volt, maximal 100 Watt (20 V × 5 A).
  • Extended Power Range (EPR): Mit USB PD 3.1 kamen 28, 36 und 48 Volt hinzu. Damit sind bis zu 240 Watt möglich – genug für leistungsstarke Notebooks.
  • PPS (Programmable Power Supply): Eine Erweiterung von USB PD, bei der die Spannung in kleinen Schritten fein angepasst wird. Das erzeugt im Handy weniger Wärme. Samsung setzt für sein Super-Schnellladen auf PD mit PPS.

Proprietäre Verfahren wie ältere Varianten von Qualcomm Quick Charge oder hauseigene Systeme mancher chinesischer Hersteller funktionieren oft nur mit dem Originalnetzteil in voller Geschwindigkeit. Mit einem USB-PD-Netzteil laden diese Geräte trotzdem, allerdings unter Umständen langsamer.

Was schreibt die EU beim Ladegerät vor?

Die Richtlinie (EU) 2022/2380 hat die Funkanlagenrichtlinie geändert. In Deutschland wurde sie über eine Änderung des Funkanlagengesetzes umgesetzt. Die wichtigsten Punkte:

RegelWas sie bedeutet
USB-C-Pflicht seit 28.12.2024Neue Handys, Tablets, Digitalkameras, Kopfhörer und Headsets, tragbare Lautsprecher, Handheld-Konsolen, E-Reader, Tastaturen, Mäuse, Navis und Earbuds müssen per USB-C laden
USB-C-Pflicht seit 28.04.2026Gilt nun auch für neu in Verkehr gebrachte Laptops
Schnellladen harmonisiertGeräte, die mit mehr als 15 W laden, müssen USB PD unterstützen – so lädt jedes kompatible Netzteil gleich schnell
EntbündelungHändler müssen Geräte auch ohne Netzteil anbieten
PiktogrammZeigt, ob ein Netzteil beiliegt (durchgestrichen = kein Netzteil)
EtikettNennt die benötigte Mindest- und Höchstleistung in Watt und ob USB PD unterstützt wird

Laut EU-Kommission sollen Verbraucherinnen und Verbraucher dadurch rund 250 Millionen Euro pro Jahr für unnötige Ladegeräte sparen. Ausrangierte und ungenutzte Ladegeräte machten nach Angaben der Kommission etwa 11.000 Tonnen Elektroschrott jährlich aus. Die Bundesregierung verweist zudem auf eine Umfrage, nach der 38 Prozent der Befragten schon einmal ein Gerät mangels passenden Ladegeräts nicht laden konnten.

Praxistipp: Schauen Sie vor dem Kauf eines Netzteils auf das Etikett auf der Verpackung Ihres Geräts oder in das Datenblatt. Die dort genannte Höchstleistung ist die sinnvolle Obergrenze – mehr Watt bringen für dieses Gerät keinen Geschwindigkeitsgewinn.

Wie viel Watt braucht mein Gerät?

Die folgenden Werte sind Richtgrößen. Maßgeblich sind immer die Angaben des Herstellers.

GerätSinnvolle Netzteil-LeistungHinweis
Kopfhörer, Earbuds, Maus5–15 WJedes USB-C-Netzteil genügt
iPhone (aktuelle Modelle)20–40 W (USB PD)Apple nennt mindestens 20 W für Schnellladen, für die iPhone-17-Reihe mindestens 40 W
Samsung Galaxy (Mittelklasse/Basis)25 W (PD mit PPS)Super-Schnellladen nur mit PPS
Samsung Galaxy (Plus/Ultra)45 W oder mehr (PD mit PPS)Kabel mit 5 A nötig
Tablet30–45 WGrößere Akkus profitieren von mehr Leistung
Ultrabook / MacBook Air30–65 WLaden auch mit weniger, dann langsamer
14–16-Zoll-Laptop65–100 WHerstellerangabe prüfen
Leistungsstarkes Notebook140–240 W (PD 3.1 EPR)Nur mit EPR-Netzteil und 240-W-Kabel

iPhone

Apple empfiehlt für das Schnellladen ein USB-C-Netzteil mit mindestens 20 Watt und USB PD, auch von Drittanbietern. Damit erreicht ein iPhone laut Apple etwa 50 Prozent in rund 30 Minuten. Für die iPhone-17-Modelle (17, 17 Pro, 17 Pro Max) nennt Apple mindestens 40 Watt, dann sollen rund 50 Prozent in etwa 20 Minuten möglich sein. Kabelloses Schnellladen per MagSafe setzt ab dem iPhone 16 ein Netzteil mit mindestens 30 Watt voraus.

Samsung Galaxy

Samsung unterscheidet auf seiner Support-Seite zwischen Standardladen, Schnellladen und mehreren Stufen des Super-Schnellladens. Die höchste Stufe, Super-Schnellladen 3.0, führt Samsung derzeit nur für das Galaxy S26 Ultra. Für jede Super-Schnellladen-Stufe muss das Netzteil USB PD mit PPS beherrschen. Ein Netzteil mit reinem PD ohne PPS lädt das Galaxy zwar, zeigt aber nicht die Meldung „Super-Schnellladen“ an.

Laptops

Hier lohnt ein genauer Blick. Viele kompakte Notebooks laden mit 45 oder 65 Watt, größere Modelle brauchen 100 Watt. Ist das Netzteil schwächer als vom Hersteller vorgesehen, lädt der Laptop unter Last womöglich gar nicht, sondern entlädt sich langsam weiter. Eine aktuelle Übersicht zur passenden Laptop-Ausstattung finden Sie in unserer Kaufberatung zum Arbeitsspeicher.

Welches USB-C-Kabel brauche ich?

Das Kabel wird oft unterschätzt, begrenzt aber die Leistung:

  • Kabel ohne Chip (3 A): Übertragen höchstens 60 Watt (20 V × 3 A). Für Smartphones und Tablets völlig ausreichend.
  • Kabel mit E-Marker (5 A): Ein kleiner Chip im Stecker meldet dem Netzteil, dass das Kabel 5 Ampere verträgt. Erst dann sind 100 Watt möglich. Samsung setzt für 45-Watt-Laden ebenfalls ein 5-A-Kabel voraus.
  • 240-W-Kabel (EPR): Für die Extended Power Range mit bis zu 48 Volt. Das USB-IF hat dafür eigene Anforderungen in der USB-Type-C-Spezifikation festgelegt.

Zertifizierte Kabel tragen häufig ein USB-IF-Logo mit Wattangabe („60W“ oder „240W“). Beachten Sie außerdem: Die Datenrate hat mit der Ladeleistung nichts zu tun. Ein 240-W-Kabel kann Daten trotzdem nur im langsamen USB-2.0-Tempo übertragen.

Mehrport-Ladegeräte: Wie wird die Leistung aufgeteilt?

Ein Netzteil mit drei oder vier Anschlüssen und „100 W“ auf dem Etikett liefert diese 100 Watt insgesamt, nicht pro Port. Stecken Sie Laptop und Handy gleichzeitig an, wird die Leistung aufgeteilt, zum Beispiel 65 plus 30 Watt. Wie genau, steht im Datenblatt des Herstellers. Wer Laptop und Smartphone gleichzeitig schnell laden will, sollte deshalb eher ein Modell mit 100 Watt oder mehr wählen. Beim Einstecken eines weiteren Geräts handeln die Ports die Leistung oft neu aus; das Laden stoppt dann kurz.

Was ist GaN und lohnt sich das?

GaN (Galliumnitrid) ersetzt in vielen neueren Netzteilen das bisher übliche Silizium in den Leistungsbauteilen. Der Vorteil: Die Netzteile werden bei gleicher Leistung deutlich kleiner und werden weniger warm. Ein 65-Watt-GaN-Netzteil ist oft nicht größer als ein altes Handy-Netzteil. Für die Ladegeschwindigkeit selbst ist GaN nicht entscheidend. Entscheidend sind Watt-Zahl, USB PD und bei Samsung PPS.

Worauf sollte ich bei Sicherheit und Qualität achten?

  • CE-Kennzeichen und Herstellerangaben: Seriöse Netzteile nennen Hersteller, Anschrift, Eingangs- und Ausgangswerte. Fehlen diese Angaben, lassen Sie die Finger davon.
  • Sehr billige No-Name-Netzteile meiden: Schlecht gebaute Netzteile können überhitzen oder die Schutzschaltungen gegen Überspannung einsparen.
  • Seriöse Händler wählen: Bei Marktplatz-Angeboten aus Drittstaaten ist oft unklar, ob die EU-Vorgaben eingehalten werden.
  • Hitze vermeiden: Laden Sie nicht unter dem Kopfkissen. Wie sich Wärme auf den Akku auswirkt, erklären wir in unserem Ratgeber Handy-Akku schonen.

Samsung empfiehlt für die höchste Ladegeschwindigkeit ein originales Samsung-Schnellladegerät; ein gutes PD-Netzteil mit PPS von Drittanbietern erfüllt technisch denselben Standard.

Ein Netzteil für alles – geht das?

Ja, in vielen Haushalten ist das seit der USB-C-Pflicht realistisch. Ein Netzteil mit 65 bis 100 Watt, USB PD und PPS deckt Smartphone, Tablet, Kopfhörer und die meisten Laptops ab. Für unterwegs reicht oft ein kompaktes GaN-Netzteil mit zwei Ports. Nur sehr leistungsstarke Gaming- oder Workstation-Notebooks brauchen weiterhin ein eigenes Netzteil. Laptops über 100 Watt fallen laut Bundesregierung nicht unter die Pflicht zur USB-C-Ladung.

Wenn Sie gerade ein neues Smartphone auswählen, finden Sie aktuelle Preise in unseren Übersichten zu iPhone-Preisen in Deutschland und Samsung-Galaxy-Preisen.

Häufige Fragen

Kann ein 100-Watt-Ladegerät mein Handy beschädigen?

Nein. Das Handy fordert per USB PD nur die Leistung an, die es verarbeiten kann. Ein stärkeres Netzteil ist unbedenklich, solange es sich um ein ordentlich gebautes Markengerät handelt.

Warum lädt mein Samsung-Handy nicht mit „Super-Schnellladen“?

Meist fehlt dem Netzteil die PPS-Unterstützung oder das Kabel ist nur für 3 A ausgelegt. Für die 45-Watt-Stufe braucht es ein Netzteil mit PPS und ein 5-A-Kabel.

Muss ein neues Handy mit Ladegerät verkauft werden?

Nein. Seit der EU-Regel müssen Geräte auch ohne Netzteil angeboten werden. Ein Piktogramm auf der Verpackung zeigt, ob eins beiliegt.

Reicht mein altes USB-A-Netzteil noch?

Es lädt, aber meist nur langsam. USB PD funktioniert ausschließlich über USB-C. Für Schnellladen brauchen Sie ein Netzteil mit USB-C-Ausgang.

Was bedeutet „PD 3.1“ auf der Verpackung?

Die Version 3.1 von USB Power Delivery erlaubt mit der Extended Power Range bis zu 240 Watt. Für Handys spielt das keine Rolle, für große Laptops schon.

Fazit

Beim Kauf eines USB-C-Ladegeräts zählen drei Dinge: USB PD, die passende Watt-Zahl laut Etikett oder Datenblatt und ein geeignetes Kabel. Wer ein Samsung-Handy nutzt, achtet zusätzlich auf PPS. Für die meisten Haushalte ist ein GaN-Netzteil mit 65 bis 100 Watt und mehreren Ports die flexibelste Lösung – dank der EU-Ladekabelpflicht passt es heute an fast jedes neue Gerät.