Der chinesische Cloud-Anbieter Alibaba Cloud will seine Kapazitäten in Deutschland erweitern. Das hat die Cloud-Sparte des Alibaba-Konzerns am 23. September 2026 auf ihrer jährlichen Apsara Conference im chinesischen Hangzhou bekannt gegeben. Der Ausbau der bestehenden deutschen Rechenzentren soll innerhalb der nächsten zwölf Monate erfolgen – wie viel zusätzliche Leistung dabei entsteht und wo genau gebaut wird, hat das Unternehmen allerdings offengelassen.

Deutschland ist damit Teil eines größeren Europa-Pakets. Was genau angekündigt wurde und was es für Unternehmen hierzulande bedeutet, lesen Sie im Folgenden.

Was Alibaba Cloud angekündigt hat

Laut der offiziellen Pressemitteilung besteht der Plan aus zwei Teilen:

  • Neue Regionen: Die Niederlande, Finnland und die Türkei erhalten jeweils ihre erste eigene Alibaba-Cloud-Region. Den Anfang machen laut Berichten von der Konferenz die Niederlande im Oktober.
  • Ausbau bestehender Standorte: Neben Deutschland werden die Rechenzentren in Frankreich, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Malaysia und Hongkong erweitert.

Als Begründung nennt Alibaba die steigende Nachfrage nach KI-Rechenleistung, die möglichst nah beim Kunden bereitstehen soll. Feifei Li, CTO von Alibaba Cloud und Leiter des internationalen Geschäfts, sagte, KI bewege sich rasch vom Experiment in den produktiven Einsatz. Konkrete Zahlen für einzelne Länder enthält die Mitteilung nicht.

Alibaba Cloud: Ausbaupläne vom 23. September 2026
Grafik: dasTECHNO · Daten: Alibaba Cloud (Pressemitteilung), heise online, Euronews

Wie groß ist Alibaba Cloud in Deutschland heute?

Alibaba ist kein Neuling am Standort Frankfurt. Das erste europäische Rechenzentrum des Anbieters ging 2016 in Frankfurt am Main in Betrieb. Im Mai 2022 folgte dort das dritte Rechenzentrum in Deutschland. Damals hob Alibaba hervor, dass die Frankfurter Region das C5-Testat des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) mit erweiterten Anforderungen sowie eine Prüfung nach dem KI-Kriterienkatalog AIC4 bestanden habe – beides sind Nachweise, die deutsche Unternehmen und Behörden bei Cloud-Ausschreibungen häufig verlangen.

Weltweit kommt Alibaba Cloud nach eigenen Angaben aktuell auf 107 Verfügbarkeitszonen in 31 Regionen. Bis 2032 soll die gesamte Rechenzentrumsleistung des Konzerns auf mehr als 20 Gigawatt steigen.

Stand
Erste Region in Deutschland2016, Frankfurt am Main
Drittes deutsches RechenzentrumMai 2022, Frankfurt
Nachweise laut Alibaba (2022)BSI C5 (erweitert), AIC4
Angekündigter Ausbauinnerhalb von 12 Monaten ab September 2026
Standorte, Kapazität, Investitionnicht genannt

Was bedeutet das für Unternehmen in Deutschland?

Für europäische Kunden zählt vor allem, wo die Daten liegen. Der Serverstandort entscheidet mit darüber, welches Recht auf die gespeicherten Inhalte anwendbar ist, und für personenbezogene Daten ist die DSGVO maßgeblich. Mehr Kapazität in Frankfurt kann deshalb für Firmen interessant sein, die ohnehin Geschäfte mit China machen oder die KI-Modelle von Alibaba nutzen wollen, etwa die Qwen-Familie, ohne Daten außerhalb der EU zu verarbeiten.

Gleichzeitig bleibt die Frage nach dem Zugriff durch Behörden des Heimatlandes. Was bei US-Anbietern über den CLOUD Act diskutiert wird, stellt sich bei chinesischen Anbietern mit Blick auf das chinesische Recht, etwa das Gesetz über die nationale Nachrichtenarbeit von 2017. Unternehmen, die einen Wechsel prüfen, sollten die Verträge und Zertifikate genau lesen. Eine eigene Aussage dazu hat Alibaba im Rahmen der aktuellen Ankündigung nicht gemacht.

Am Markt dürfte der Ausbau wenig an den Kräfteverhältnissen ändern: In Deutschland dominieren weiterhin AWS, Microsoft und Google, daneben wachsen europäische Anbieter wie die Deutsche Telekom oder STACKIT. Die Debatte um digitale Souveränität dürfte durch einen zusätzlichen, diesmal chinesischen Hyperscaler aber eher lebhafter werden.

Hintergrund: KI-Chips und Qwen-Modelle

Die Ankündigung ist Teil einer breiteren KI-Offensive. Auf derselben Konferenz stellte Alibaba nach Angaben von Euronews den KI-Chip Zhenwu V900 vor und kündigte größere Qwen-Modelle mit 5 bis 10 Billionen Parametern an. Für Cloud-Kunden bringt Alibaba neue Dienste wie Smart Studio zum Aufbau eigener Modell-Plattformen und Smart Fusion, das mehrere Modelle kombiniert und laut Hersteller den Token-Verbrauch etwa halbieren soll. Diese Werte stammen von Alibaba selbst und sind nicht unabhängig überprüft.

Häufige Fragen

Wo baut Alibaba Cloud in Deutschland?

Das hat Alibaba nicht gesagt. Bekannt ist nur, dass bestehende Rechenzentren in Deutschland ausgebaut werden. Die bisherigen deutschen Standorte liegen in Frankfurt am Main.

Wann ist der Ausbau fertig?

Alibaba spricht von einem Zeitraum von zwölf Monaten ab der Ankündigung vom 23. September 2026. Ein genaues Datum gibt es nicht.

Speichert Alibaba Cloud Daten deutscher Kunden in der EU?

Wer die Region Frankfurt wählt, lässt seine Daten dort verarbeiten. Welche zusätzlichen Zugriffsregeln gelten, sollten Unternehmen vertraglich klären; für personenbezogene Daten gilt die DSGVO.