Der französische Energie- und Automatisierungskonzern Schneider Electric will den Smart-Home-Hersteller Shelly Group übernehmen. Das haben beide Unternehmen am 24. September 2026 mitgeteilt. Schneider bietet den Aktionären 70 Euro je Aktie in bar, der Eigenkapitalwert des Angebots liegt damit bei etwa 1,2 Milliarden Euro. Für viele Heimwerker und Smart-Home-Bastler in Deutschland ist das eine große Nachricht: Die kleinen WLAN-Relais und Messsteckdosen von Shelly stecken hierzulande in unzähligen Unterputzdosen.

Die Eckdaten des Angebots

Formal gibt eine hundertprozentige Tochter von Schneider Electric ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot ab. Der Preis liegt 22 Prozent über dem Schlusskurs vom 23. September (57,50 Euro). Gegenüber dem Kurs vom 28. Juli 2026, also vor den ersten Berichten über Gespräche, beträgt der Aufschlag 27 Prozent. Ende Juli hatte Bloomberg über Verhandlungen zwischen den beiden Firmen berichtet.

Schneider Electric kauft Shelly: die Eckdaten
Grafik: dasTECHNO · Daten: Schneider Electric, Shelly Group (24.09.2026); Shelly Geschäftsbericht 2025

Entscheidend ist die Haltung der Gründer. Co-CEO Dimitar Dimitrov hält rund 29 Prozent, Mitgründer Svetlin Todorov rund 28 Prozent. Beide haben mit Schneider eine Investitionsvereinbarung geschlossen. Dimitrov will seine Aktien andienen, einen Teil des Erlöses wieder investieren und auch nach dem Abschluss Co-CEO bleiben. Todorov verkauft in zwei Schritten: etwa 5 Prozent sofort, die übrigen rund 23 Prozent erst nach der Fusionskontrollfreigabe. Der Verwaltungsrat von Shelly unterstützt das Angebot nach vorläufiger Prüfung.

Welche Bedingungen gelten?

Die Übernahme gelingt nur, wenn Schneider am Ende auf mindestens 95 Prozent des Kapitals kommt. Außerdem müssen die Wettbewerbsbehörden zustimmen, und die bulgarische Finanzaufsicht FSC muss die Angebotsunterlage genehmigen. Mit dieser Genehmigung rechnen die Unternehmen Ende November oder Anfang Dezember 2026. Abgeschlossen sein soll der Kauf im ersten Quartal 2027. Danach will Schneider die restlichen Aktien übernehmen und Shelly von der Börse nehmen.

Was bedeutet das für Aktionäre in Deutschland?

Shelly ist nicht nur in Sofia, sondern auch im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse gelistet (Kürzel SLYG) und gehört zum SDAX. Wer die Aktie über Xetra hält, kann das Angebot nach Veröffentlichung der Unterlage annehmen. Wie genau die Annahme über deutsche Depotbanken abläuft, geht aus den bisherigen Mitteilungen nicht hervor. Nach einem Delisting entfiele auch die SDAX-Mitgliedschaft. Eine Anlageempfehlung ist das ausdrücklich nicht.

Was ändert sich für Shelly-Nutzer?

Kurzfristig nichts. Laut den Unternehmen bleiben der Sitz in Bulgarien sowie Organisation und Belegschaft mindestens drei Jahre erhalten. Produkte, App und Support sollen weiterlaufen wie bisher, auch der offene Ansatz mit Kompatibilität zu anderen Systemen soll bleiben. Wie Caschys Blog berichtet, soll auch die Marke Shelly mindestens drei Jahre bestehen bleiben.

Für Nutzer ist vor allem die Offenheit wichtig. Viele Shelly-Geräte lassen sich lokal ohne Cloud steuern und etwa in Home Assistant einbinden, wie wir auch in unserem Ratgeber zum Balkonkraftwerk-Ertrag messen beschreiben. Konkrete Zusagen, dass lokale Schnittstellen über die drei Jahre hinaus erhalten bleiben, enthalten die Mitteilungen nicht.

Warum will Schneider Shelly?

Schneider Electric baut sein Geschäft mit Energiemanagement in Wohnhäusern und kleinen Gewerbegebäuden aus. Shellys softwaregetriebene Plattform soll dabei vor allem bei Vernetzung, Interoperabilität und dem Nachrüsten bestehender Gebäude helfen. Frederic Godemel, bei Schneider für Energy Management zuständig, spricht von einer Kombination, die „Energy Intelligence“ erschließe.

Shelly bringt dafür eine starke Wachstumsgeschichte mit. Im Geschäftsjahr 2025 stieg der Konzernumsatz um 40,3 Prozent auf 149,7 Millionen Euro, das bereinigte EBIT um 42,8 Prozent auf 37,7 Millionen Euro. Für 2026 hatte der Verwaltungsrat einen Umsatz zwischen 195 und 205 Millionen Euro in Aussicht gestellt.

Kennzahl2025Prognose 2026
Umsatz149,7 Mio. €195–205 Mio. €
EBIT (bereinigt)37,7 Mio. €47–52 Mio. €
EBIT-Marge (bereinigt)25,2 %

Häufige Fragen

Funktionieren meine Shelly-Geräte nach der Übernahme weiter?

Ja. Beide Unternehmen sagen zu, dass Produkte, Dienste und Support wie bisher weiterlaufen.

Wann ist die Übernahme abgeschlossen?

Geplant ist das erste Quartal 2027, vorausgesetzt, die 95-Prozent-Schwelle wird erreicht und die Behörden stimmen zu.

Wird Shelly von der Börse genommen?

Das ist das Ziel von Schneider Electric nach einem erfolgreichen Angebot.

Titelbild: Sven Teschke, CC BY-SA 3.0 DE, via Wikimedia Commons