Mit RobCo hat Deutschland ein weiteres Milliarden-Startup in der Robotik. Das 2020 in München gegründete Unternehmen wird nach einem Anteilsverkauf über 40 Millionen US-Dollar mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet. Das berichten heise online und die Nachrichtenagentur Reuters übereinstimmend. Die Bewertung hat sich damit innerhalb von rund neun Monaten verdoppelt: Im Januar 2026 hatte RobCo eine Serie-C-Runde über 100 Millionen Dollar abgeschlossen und kam damals auf etwa 500 Millionen Dollar.
Bemerkenswert ist die Art des Deals. Es floss kein klassisches frisches Kapital in großem Umfang, stattdessen haben überwiegend Mitarbeitende ihre Anteile verkauft. Solche Sekundärtransaktionen sind bei stark wachsenden Startups ein beliebtes Mittel, um dem Team einen Teil seines Papiervermögens auszuzahlen, ohne dass das Unternehmen an die Börse gehen muss.
Wer hinter dem Deal steht
Bei den Investoren mischen bekannte Namen mit. Zu den bisherigen Geldgebern gehören laut heise die US-Wagniskapitalfirmen Sequoia und Lightspeed sowie der Fonds Lingotto. Neu eingestiegen sind Cherry Ventures aus Berlin und der European Tech Collective. Einige Berichte nennen zusätzlich Greenfield, Kindred und Promus Ventures als beteiligte Altinvestoren; diese Angaben stammen nicht aus allen Quellen.
Insgesamt hat RobCo nach Reuters-Angaben inzwischen knapp 200 Millionen Dollar eingesammelt. Die wichtigsten Eckdaten:
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Gründung | 2020, München |
| Gründer | Roman Hölzl (CEO), Paul Maroldt, Constantin Dresel |
| Bewertung Januar 2026 | ca. 500 Mio. $ (nach 100 Mio. $ Serie C) |
| Bewertung Oktober 2026 | über 1 Mrd. $ |
| Volumen Anteilsverkauf | 40 Mio. $ |
| Kapital insgesamt | knapp 200 Mio. $ |
| Verkaufte Roboter | mehr als 1.000 |
| Bekannter Kunde | BMW |
Quellen: heise online, Reuters. Bewertungen in US-Dollar; Euro-Umrechnungen nennt das Unternehmen nicht.
Was RobCo eigentlich baut
Die drei Gründer kommen aus dem Umfeld der Technischen Universität München. Ihre Idee: Industrieroboter aus Modulen, die sich ohne große Programmierkenntnisse zusammenstellen und für neue Aufgaben umrüsten lassen. Damit zielt RobCo vor allem auf mittelständische Fertiger, für die klassische Roboterzellen mit monatelanger Integration zu teuer und zu starr sind. Mehr als 1.000 Roboter hat das Unternehmen nach eigenen Angaben bereits an Industriekunden ausgeliefert, darunter BMW.

Das nächste große Produkt heißt „Alfie“. Der zweiarmige Roboter soll mithilfe eingebauter KI neue Handgriffe selbstständig lernen, statt für jede Aufgabe neu programmiert zu werden. Laut Reuters testen einige Kunden bereits Prototypen. Den offiziellen Marktstart plant RobCo für den 4. März 2027 auf der ersten eigenen Hausmesse „RobCoN“ in München. Preise und technische Daten hat das Unternehmen noch nicht veröffentlicht.
Der Chef geht in die USA
Eine Nachricht steckt im Kleingedruckten: Gründer und CEO Roman Hölzl ist nach Angaben von Reuters in die Vereinigten Staaten umgezogen. Der US-Markt sei größer und wachse schneller als der europäische, begründete er den Schritt gegenüber der Agentur. Für den amerikanischen Markt hat RobCo eine Montage im texanischen Austin aufgebaut. Hauptsitz, Entwicklung und Fertigung bleiben aber in München, und noch erwirtschaftet das Unternehmen rund 70 Prozent seines Geschäfts in Europa.
Das passt zu einem Muster, das der Startup-Verband erst vor wenigen Tagen beschrieben hat: Deutsche Wachstumsfirmen zieht es für Kapital und Kunden zunehmend über den Atlantik. Im Deutschen Startup Monitor 2026 gaben knapp 62 Prozent der Befragten an, einen Börsengang lieber in den USA durchführen zu wollen.
Das dritte Robotik-Unicorn aus Deutschland
Mit der Milliardenbewertung reiht sich RobCo neben zwei weitere deutsche Robotikfirmen ein. Agile Robots aus München überschritt die Grenze bereits im September 2021 mit einer von SoftBank angeführten Runde über 220 Millionen Dollar. Neura Robotics aus Metzingen kam 2026 hinzu. Eine offizielle Zählung gibt es nicht; die Einordnung als „drittes Robotik-Unicorn“ stammt aus der Fachpresse.

Was bedeutet das für den Standort?
Die Bewertung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die klassische Robotiknachfrage in Deutschland schwächelt. Laut IFR wurden 2025 hierzulande 8 Prozent weniger Industrieroboter installiert, vor allem weil die Autoindustrie weniger investiert. Investoren setzen offenbar trotzdem darauf, dass flexible, KI-gestützte Roboter neue Kundengruppen erschließen – gerade kleinere Betriebe, die bisher kaum automatisiert haben.
Für Deutschland ist das Signal zwiespältig. Einerseits zeigt RobCo, dass aus der Forschung an der TU München ein international konkurrenzfähiges Industrieunternehmen werden kann. Andererseits verlagert sich der Blick der Führung bereits in die USA. Ob Wertschöpfung und Arbeitsplätze langfristig in München bleiben, dürfte sich spätestens zeigen, wenn Alfie in Serie geht.
Häufige Fragen
Was ist RobCo?
RobCo („The Robot Company“) ist ein 2020 gegründetes Robotik-Startup aus München, das modulare Industrieroboter für Fertigungsbetriebe herstellt.
Wie hoch ist RobCo bewertet?
Nach dem aktuellen Anteilsverkauf mit mehr als 1 Milliarde US-Dollar. Im Januar 2026 waren es noch etwa 500 Millionen Dollar.
Wann kommt der Roboter Alfie?
RobCo will Alfie am 4. März 2027 offiziell vorstellen und vermarkten. Preise sind noch nicht bekannt.
Welche deutschen Robotik-Unicorns gibt es?
Neben RobCo gelten Agile Robots (München, seit 2021) und Neura Robotics (Metzingen, seit 2026) als Robotik-Unternehmen mit Milliardenbewertung.










